Von:
Daniel Schüttlöffel

e-kinderbibel.de

Hatten Sie eine Kinderbibel? Schließen Sie doch mal die Augen und versuchen Sie, sich das Buch mit den biblischen Geschichten aus Ihrer Kindheit ins Gedächtnis zu rufen! Woran erinnern Sie sich?

Ich erinnere mich an ein dickes Geschichtenbuch mit Umschlag und Zeichnungen in Braun- und Gelbtönen (die Kinderbibel von Anne de Vries), an die quadratischen Büchlein mit je einer Geschichte (mit den Zeichnungen von Kees de Kort), an Comic-Hefte mit gelbem Umschlag (die Serie „Die Bibel im Bild“) und an ein großes Buch voller Holzschnitte (die Bilderbibel von Schnorr von Carolsfeld).

Ich bin erstaunt. Denn wenn ich zurückblicke, erinnere ich mich kaum daran, was genau in diesen Kinderbibeln geschrieben stand. Die Illustrationen hingegen scheinen sich tief in mein Gedächtnis eingeprägt zu haben: Menschen mit großen Augen, weißgewandete Engel, Jesus mit wallenden Locken und erhobenem Zeigefinger, Gott als alter Mann mit langem Bart, der die Weltkugel als Fußschemel benutzt. – Wie geht es Ihnen?

Wissenschaftler haben zahlreiche Kriterien aufgestellt, mit deren Hilfe Kinderbibeln – auch meine – beschrieben und beurteilt werden können. Darin geht es zum Beispiel um einen gleichermaßen kind- und bibelgerechten Erzählstil, um die Darstellung von Sexualität und Gewalt in biblischen Geschichten oder um moralisierende Tendenzen. In welchem Ausmaß die mit diesen Kriterien korrespondierenden Merkmale meiner Kinderbibeln mein Denken und Fühlen „zum Guten oder Schlechten“ beeinflusst haben, vermag ich nicht zu ermessen.

Weil ich aber sehe, wie sehr die Illustrationen mein Menschen-, Jesus- und Gottesbild geprägt haben, suche ich heute die Bibeln für meine Kinder vor allem nach den Bildern aus.